01 Der Anfang einer Reise


Mein neuer Name ist Luna und einst wanderte ich durch Rumänien. Was geschehen war, weiß ich nicht mehr so genau. Das erste Lebensjahr verblasste, genauso wie die kleinen Kratzer an den Vorderläufen nur noch Zeugen der Zeit waren. Der Schrecken war groß als ich eingesperrt wurde. In einer Hölle wo es nach Tod und Verdammnis stank und jedes Wuff und Fiepen in einem Klagelied überging. Von dort wurde ich gerettet, vielleicht dank meiner unbändigen Lebenskraft die durch die blauen Augen strahlten. Auch wenn mein nächstes Heim nicht wesentlich mehr Annehmlichkeiten hatte. Zumindest erahnte ich, das Leben geht weiter und meine Reise wird fortgesetzt. Auch hier gab es Gefährten unterschiedlicher Art. Gerne hätte ich besser mit ihnen kommuniziert, aber zwischen all den Zwingern war dies kaum möglich. So besann ich mich meiner selbst in vielen Nächten. Mir wurde immer bewusster, ich will das Leben erleben. Ich hatte so viel bereits eingesteckt und war doch nicht gebrochen. Die Erinnerung an die Legende von den Wölfen der Zeit gab mir Kraft und Trost. Der Sternenhimmel zeigte mir ihren Pfad und ich träumte davon mit den Wölfen zu rennen. In so manchen Traum erklang ein Lied wie ein Ruf aus weiter Ferne.

Diese Liebe war, diese Liebe ist, diese Liebe bleibt die einzige, die einzige für mich! Die einzig wahre Liebe, sie verbindet uns. Kein Schmerz und keine Trauer - wir gehören uns! Nie mehr alleine gehen!

Eines Abends geschah es dann, mein Leben sollte sich von nun an ändern. Dass sich alles zum Guten wandelt, wusste ich noch nicht. Erneut sehr eng eingesperrt mit vielen anderen Gefährten ging die Reise los. Irgendwo zwischen Aufregung und Angst waren wir in der Dunkelheit gefangen. Das Gefährt schaukelte vor sich hin und seltsame Geräusche umgaben uns. Nach mehreren Stunden schlummerte ich ein wenig und zu dem vertrauten Lied erklang ein weiteres.

Ich bring' dich heim durch tausend Meilen Einsamkeit. Ich bring' dich heim, ist unser Weg auch noch so weit. Zurück nach Haus, zurück wo deine Liebsten sind. Siehst du das ferne Licht? Wir sind schon nah, glaube mir, bald sind wir da!

Das Tageslicht blitzte auf, als die Türen sich öffneten. Dann ging alles so schnell, dass ich es kaum noch erfassen konnte. So viele Menschen waren zugegen und etliche Sinnesreize erfassten mich. Außerdem das seltsame Gefühl angeleint samt Geschirr zu sein. Prompt saß ich auf einer Wiese und erleichterte meine Blase, die seit einer gefühlten Ewigkeit drückte. Ich war froh, anschließend nur noch zwei Menschen bei mir zu haben. Allerdings war ich unsicher, ob mir das andere Auto gefällt oder nicht. Bei so viel Aufregung muss man erst mal zurechtkommen. Die Menschen schienen sehr lieb zu sein und meine Unsicherheit legte sich. Daraufhin hatte ich einige Stunden Zeit zur Ruhe zu kommen und die ungewohnte Aussicht bei der Fahrt zu beobachten. Es wurde bereits dunkel bei der Ankunft. Die neuen Gerüche fand ich aufregend und obwohl alles ruhig in der neuen Heimat war, wurde ich zum Wirbelwind in der Wohnung. Sehr viel Platz samt Gemütlichkeit verspürte ich und ergatterte sogar ein Teddy als Spielzeug. Die Menschen beobachteten mich während meiner Erkundungstour. Ich bin total begeistert, dass es Leute gibt die mich akzeptieren, selbst als ich munter ins Bett hüpfte. Endlich konnte ausgiebig geknuddelt werden. Zur späteren Stunde lernte ich auch den Garten kennen und wie wunderbar doch Fernsehen ist. Bunte Bilder auf so großer Fläche, die sogar auf einen zukommen. Da sind möglicherweise Tiere drin versteckt, die höre ich immer deutlich. Wir versanken alle zusammen in den Schlaf und mein Herz fühlte zum ersten Mal ein kleines bisschen Geborgenheit. Meine Reise war nicht zu Ende, im Gegenteil, die Reise der unendlichen Abenteuer begann jetzt.

Komm mit mir ins Abenteuerland, auf deine eigene Reise. Komm mit mir ins Abenteuerland, der Eintritt kostet den Verstand.